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Eine Partie Schach mit dem Sensenmann

01.05.2013 · Das Einnehmen einer ungewöhnliche Perspektive vermag Sachverhalte in einem völlig neuem Licht erscheinen zu lassen. So auch bei Betrachtung des Lebens aus Sicht eines Schachspielers mit ungemein disziplinierenden Konsequenzen.

Schach mit Sensenmann
Library of Congress
Mann spielt Schach mit dem grimmigen Sensenmann - Walter Appleton Clark, 1906

„Das ist ein kluger Zug“ ist eine beliebte Redensart, mit der eine weitsichtige und erfolgversprechende Entscheidung gewürdigt wird. Naturgemäß ist der kluge Zug bei einer Schachpartie nicht bloß im übertragenen Sinne sondern sprichwörtlich gegeben. Bei näherer Betrachtung offenbart sich das hin und wieder „Spiel des Lebens“ genannte Schach mehr als nur ein Reservoir für Redensarten. Es lassen sich nämlich viele Aspekte bei Spielkonzept, Taktik und Strategie ausmachen, die auf das Leben übertragbar sind. Vielmehr noch, ein spezieller Zuschnitt der Analogie mit dem Fokus auf Gesundheit erscheint aussichtsreich.

Das Schachproblem

An sich ist Schach einfach zu charakterisieren. Auf einem in 8 x 8 Felder geteilten und schwarzweiß karierten Brett spielen zwei Parteien gegeneinander, die jeweils 16 verschiedene Figuren besitzen, die sich in sechs Klassen einteilen: König, Dame, jeweils zwei Türme, Läufer und Pferde, sowie acht Bauern, wobei die Figuren der Parteien verschiedenfarbig sind (i. d. R. schwarz vs. weiß). Ausgehend von der Ausgangsanordnung der gegnerischen Figuren auf den zwei gegenüberliegenden Feldreihen wird nach erlaubten Zugregeln der Figuren Zug um Zug gespielt (weiß macht den Anfang) und es werden des Gegners Figuren geschlagen, bis einer der Könige mattgesetzt wird, also dem Geschlagenwerden nicht entkommt. Die Rochade sowie Bauernumwandlung sind weitere wesentliche Spielkomponenten, die hier nicht weiter erläutert werden.

Der perfekt spielende Sensenmann

Zwischen Schachspiel und dem Leben lassen sich nun Parallelen ausmachen. Zunächst herrscht Zugzwang beim Schach. Dies kommt dem Prinzip gleich, dass des Lebens Lauf zwangsläufig fortschreitet und zwar in Form von Entscheidungen bzw. Handlungen als eigene Züge und den Folgen aus diesen sowie äußeren Einwirkungen als fremde Züge, die unterm Strich das Altern vorantreiben (und neue eigene Züge erfordern). Anstelle der Figuren treten die Handlungsmöglichkeiten, die einem gegeben sind. Deren sind um einiges mehr wie Schachfiguren und die Spielfläche ist ein Teil des Universums, weshalb die Komplexität unermesslich größer ist. Aber dies ändert wenig am Spielcharakter. Das Endergebnis, das Mattsetzen, kennt nur ein Äquivalent, wenn Gesundheit auf dem Spiel steht: Der Tod. Die Konsequenz ist, sich einen todbringenden Gegner zu denken: Der Sensenmann. Dieser zerstört mit seinen wie die Natur mechanisch-kausal antwortenden Zügen die Gesundheit. Und diesem Treiben gilt es ein Ende zu setzen. Der eigene Sieg passt da nicht ins Konzept, allenfalls das Remis (dem Tod entkommen) oder die längstmögliche Hinauszögerung des Unvermeidlichen. Daher liegt das Einnehmen der mit schwarz spielenden Partei auf der Hand, wird doch dem eröffnenden Weiß ein Vorteil zugeschrieben.

Neues Spiel, neues Glück?

Nun ist Schach kein Glücksspiel. Aufgrund der klaren Regeln, der unabänderlichen Zugmöglichkeiten der Figuren und des begrenzten Spielfelds liegt vollständige Information vor. Theoretisch ließe sich ein optimaler Spielverlauf bestimmten, den Weiß sicher zum Sieg führt. Doch bereits nach dem Eröffnungszug jeder Partei liegen vierhundert mögliche Varianten der Spielentwicklungen vor (Spielpfade), da zwanzig erste Züge je Seite gemacht werden können, die mit den zwanzig möglichen Gegenantworten kombiniert werden. Nach drei vollendeten Zügen (jede Partei hat drei eigene Züge gemacht, die Halbzüge genannt werden) liegen bereits zwanzig Tausend Spielpfade vor. Es liegt eine äußerst dynamische exponentielle Funktion vor! Zweifelsfrei kann kein Hirn der Welt nur optimale Züge machen, wenn Großmeister bis maximal zwölf Züge vorausdenken können, was schon sagenhaft gut ist. Und nicht einmal Computern bleibt das optimale Spiel vergönnt, denn die Anzahl der möglichen Spielpfade übersteigt nach Schätzungen die Anzahl der Moleküle im Universum und wohl fürs erste jede erdenkliche Rechnerkapazität. Im Leben ist eine Glückskomponente sehr wohl enthalten: Schicksalsschläge, aber auch medizinischer Fortschritt sind Paradebeispiele der unabsehbaren Faktoren. Diese können aber unter den zweifelsohne gegebenen mangelnden Spielhorizont – im Sinne der Undurchdringbarkeit der Gesetzmäßigkeiten des Lebens – subsumiert werden. Bei deren utopischer Durchdringung wäre ein optimales Spiel des Lebens freilich möglich. So verbleiben die folgenden Denkansätze.

Vom Ende her gedacht

Die Errechnung des optimalen Pfades findet dennoch Anwendung und zwar gegen Spielende, wenn nur noch wenige Steine auf dem Feld sind. Für bis zu sieben verbliebe Figuren konnten die optimalen Züge bereits ermittelt werden; entsprechende Endspieldatenbanken, in welchen alle Möglichkeiten abgespeichert sind, haben gleichwohl gigantische Ausmaße. Mit Endspielen lassen sich manifestierte Krankheiten vergleichen, die auf Basis von Laborwerten u. dgl. in Kombination mit bestimmten Maßnahmen mit guter Verlässlichkeit in der weiteren Entwicklung beurteilt werden können. Optimale Maßnahmenwahl gemäß etablierten Leitlinien, wie das Meiden von Nüssen bei Gicht, ist hier der optimale Zug, ohne natürlich die Heilung zu garantieren. Je nach vorliegender Krankheit kann auch die bloße Linderung der Symptome das Ziel sein.

Am Anfang war die ... Erfahrung

Zu Spielbeginn hält sich die Überlegenheit der mehr Züge vorausrechnenden Maschine in Grenzen. Auch für Computer ist es praktikabler, historisch bewährte Eröffnungen – dokumentiert in Eröffnungsbibliotheken – zu wählen und erst im Mittelspiel (wenn das Mittelfeld durch die Spielfiguren kontrolliert wird) auf die Vorausberechnung zurückzugreifen. Diese wird aber im Gegensatz zum Endspiel nach einigen Zügen abgeschnitten. Um den relativ besten nächsten Zug zu bestimmen, bedürfen die Spielstellungen am Ende der betrachteten Spielpfade der Bewertung. Hierfür werden die summarische Stärke der Figuren sowie deren Positionierung herangezogen. Nun ist die Bewertung aber keine rein objektive Angelegenheit, denn dies wäre erst bei Durchlaufen der Pfade bis zum Matt möglich, sondern sie unterliegt der subjektiven Einschätzung des Programmierers. Hier werden Großmeister zu Rate gezogen, die ihr Erfahrungswissen einfließen lassen.

Bewertungskünste und bewährte Eröffnungen sind im übertragenen Sinne auch maßgebend für die Erhaltung der anfänglich gegebenen Gesundheit. Die ersten Züge sind wegweisend für den Spielverlauf und eine günstige Positionierung ist unentbehrlich, die im Leben Weichenstellungen gleichkommt: Ausgewogene, bekömmliche Ernährung, Meidung von Übergewicht, Vorsorgeschecks usw., aber auch Arbeitsplatzwahl, Wohnort oder Hobbys, sind Beispiele. Eine detailliertere Ebene ist wenig erfolgversprechend. Die „optimale Ernährung“ zum Exempel ist angesichts der ungelösten Komplexität des Stoffwechsels ein Wunschtraum. Was wäre wohl die optimale Verzehrmenge einer Nusssorte, wenn man keine Gicht hat? Freilich macht die Wissenschaft Fortschritte und die besseren Züge lassen sich detaillierter und fundierter begründen. Zu den auf Erfahrungswissen, wozu auch statistische und epidemiologische Daten zählen, basierenden Strategien treten sodann kausal begründete Taktiken hinzu (z. B. Kappung des Salzkonsums, um Blutdruck zu kontrollieren). Diese sind mit der Bewertung im Mittelspiel vergleichbar.

Versuch einer Synthese

Mit der Metapher des schachspielenden Sensenmannes im Nacken ergibt sich eine besonders motivierende Herangehensweise zwecks Gesundbleiben. Zum einen gilt es, keine allzu riskanten Züge oder offensichtliche Fehler zu machen, seien diese fahrlässig oder gar bewusst. Megadosen von Pillen mit fragwürdigem Nutzen könnten beispielsweise als Schuss nach hinten losgehen. Der Sensenmann reibt sich die Hände. Ist einmal ein schlechter Zug gemacht, muss zum anderen jegliches schuldhafte Verzögern unterbleiben, um den schlechten Zug durch den darauf folgenden zu revidieren, oder, wie bei bereits fortgeschrittener Krankheit, wenigstens den Status quo zu erhalten. Des Weiteren wird durch die Analogie das Licht auf die Rolle des Wissens gelenkt. Gesundheitsbezogenes Erfahrungs- und Kausalwissen finden wie oben geschildert ihr Äquivalent in historisch gewachsenen Eröffnungsstrategien und der eher taktischen Pfadsuche mit Spielstandbewertung. Gleiches gilt für Krankheitsbekämpfung und Endspiel. Dies klingt nach verlorenem Kampf. Ein wenig Realismus schadet aber nicht und der unerbittliche Gegner verdeutlicht, was auf dem Spiel steht, und das Schachspiel, welchen Einfluss man auf sein „Schicksal“ hat.



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